Wir wollen Wohnungen! – Eine Kampagne des Bündnis Zwangsräumung Verhindern

1. Die Stadt in der Wohnungskrise

wohnungskrise200x200Wir befinden uns in einer Wohnungskrise. Wohnraum wird immer knapper. Immer mehr Menschen müssen ihr Wohnumfeld verlassen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. In Aufwertungsgebieten und für Geringverdiener*innen oder Sozialleistungsbezieher*innen mit wenig Geld hagelt es Kündigungen und Zwangsräumungen. Es ist zum Standard geworden, dass Menschen nicht mehr ausziehen, selbst wenn sich der Haushalt vergrößert. Sie finden keine neue Wohnung mehr – trotz der sogenannten „Mietpreisbremse“.

Wohnungslose und Räumungbedrohte sind faktisch vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen. Auch für ALG II-Bezieher*innen, Menschen mit Schufa-Einträgen oder anders Benachteiligte gibt es kaum noch Wohnungen. Das staatliche Hilfesystem, das Wohnungslosigkeit verhindern müsste, kollabiert. Ankommenden Geflüchteten wird erst gar kein Zugang zu normalen Wohnungen ermöglicht – für sie ist Lagerunterbringung oder Leben in Containern bzw. „Wohnmodulen“ (MUFs) vorgesehen.

Für die Vermieter*innen und Eigentümer*innen ist die Krise super: Je größer die Wohnungsnot ist, desto mehr Profit winkt ihnen. Sie verdienen an der Neuvermietung nach der Zwangsräumung. Sie verdienen an Mieterhöhungen, die Menschen in die Kündigung treiben. Sie kassieren als Betreiber von Wohnheimen und Lagern schwindelerregende Tagessätze vom Senat.

 

2. Wir wollen Wohnungen!

demo200x200Wir haben von dieser Geldmacherei nichts als Probleme. Wir wollen nicht mehr in einer Stadt leben, in der uns die Konkurrenz und die Angst um die Wohnung Tag für Tag fertig machen. Für uns ist die Lösung der Wohnungskrise ganz einfach: Wir wollen Wohnungen und zwar sofort! Es müssen Wohnungen gebaut werden, die für uns alle da sind – unabhängig davon, wie viel wir zahlen können, wie lange wir in der Stadt wohnen, ob wir deutsche Papiere haben oder vor kurzem hierher geflüchtet sind. Wir haben ein Recht auf eine gute Wohnung!

Mit der Kampagne “Wir wollen Wohnungen” schalten wir uns öffentlich in die Diskussion um Wohnungsversorgung ein. Wir machen Aktionen, Veranstaltungen und Medienarbeit und suchen dauerhaft und hartnäckig die Präsenz gegenüber den Verantwortlichen und Profiteur*innen der Wohnungskrise. Es geht uns darum, die strukturellen Mechanismen und Ursachen der Wohnungskrise aufzuzeigen. Dabei sind wir der Ansicht:

1) Wir brauchen Neubau – und zwar abseits der Funktionsweisen des Marktes. Wir brauchen günstige und gute Wohnungen für alle und nicht nur für diejenigen, die es sich leisten können!
2) Umverteilung von Wohnraum jetzt: Aktuell haben einige 180 qm mit luxuriösem Balkon und freistehender Küche für sich, während andere nur 6 qm und keine Privatsphäre haben.
3) Wohnraum darf keine Ware mehr sein! Solange es einen Wohnungsmarkt gibt, wird es immer Zwangsräumungen und menschenunwürdige Wohnverhältnisse für gesellschaftlich benachteiligte Menschen geben.

Wir grüßen an dieser Stelle alle unabhängigen Initiativen, die für Wohnraum für alle kämpfen, sei dies in Form von direkten Aktionen auf der Straße, der Organisierung in der Nachbarschaft oder der Formulierung von konkreteren Vorschlägen im Bereich des Neubaus und der Wohnraumversorgung.

 

3. Mitmachen!

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“Wir wollen Wohnungen” ist eine Kampagne des Bündnis Zwangsräumung Verhindern. Die Kampagne ist offen und zugänglich, alle Interessierten sind herzlich zum Mitmachen eingeladen. Dazu bieten wir Mitmachtreffen, öffentliche Workshops und andere Möglichkeiten zur Beteiligung an. Wir treffen uns alle zwei Wochen zu Planungstreffen, wo wir z.B. die Gesamtstrategie oder unseren Zeitplan besprechen. Wir treffen uns ebenfalls alle zwei Wochen, um einzelne Aktionen vorzubereiten, Material herzustellen oder andere Dinge praktisch umzusetzen.

Wir möchten mit der Kampagne alle außerparlamentarischen Gruppen ansprechen, die für günstigen, guten und zugänglichen Wohnraum für Alle streiten. Wir wollen dafür keine regelmäßigen Vernetzungstreffen, sondern praktische gegenseitige Unterstützung. Zum Beispiel können wir zusammen eine Aktion machen, einen gemeinsamen Text schreiben oder unser Wissen und unsere Erfahrungen für unsere politische Praxis teilen. Genauso wie wir für die Kampagne nach praktischer Unterstützung fragen werden, sind wir ansprechbar, um uns an anderen Orten einzubringen.

Die Kampagne soll ein Anlaufpunkt sein für Menschen, die akut von Wohnungsnot betroffen sind. Wir verfolgen das 1:1-Prinzip: Für jede öffentlichkeitswirksame Aktion bei den Verantwortlichen der Wohnungskrise machen wir auch eine Aktion für unsere Organisierung als Betroffene dieser Wohnraumkrise. Wir mobilisieren im Alltag und an den Orten von Wohnungslosigkeit und möchten die Situation der Betroffenen von Wohnungsnot in die Öffentlichkeit bringen. Dabei berücksichtigen wir die unterschiedlichen Situationen Wohnungsloser, Lagerbewohner*innen oder Verdrängungsbedrohter und arbeiten aktiv gegen die Spaltung untereinander. Wir formulieren unsere zentrale Forderung “Wir wollen Wohnungen” als diejenigen, die von der Wohnungskrise unmittelbar oder perspektivisch betroffen sind.

Ob akut als Wohnungslose, Zwangsräumungsbedrohte oder Mieter*innen, die sich fragen, wie sie denn jemals noch eine neue Wohnung in der Stadt finden sollen, wir werden in Zukunft dort auftauchen, wo mit Wohnen Profit gemacht wird. Wo die Verantwortlichen der Wohnungskrise sitzen. Wo die politischen Entscheidungen getroffen werden. Überall dort werden wir unsere Forderungen laut und hartnäckig vortragen — macht ihr mit?

Kontakt: wiwowo[ät]riseup.net